Montag, 16. Oktober 2017

Video - Tightlinevideo - October Caddis Dry Fly


Am Wochenende war ich an einem schön gelegenen Bergsee hier in der Schweiz unterwegs. Auf über 1600 Metern flogen plötzlich am Nachmittag einige grössere Insekten umher. Es war nicht schwer zu erraten was da über die Wasseroberfläche, den Gräsern und Sträuchern umher flog.


Hier noch ein Bindevideo von Tightlinevideo  zur October Caddis Trockenfliege...



Freitag, 13. Oktober 2017

Freestone Festival - Switzerland


Letztes Jahr fand das erste Freestone Festival statt. Wie ihr in diesem Bericht nachlesen könnt, war es ein schöner Anlass. Es ist nicht nur ein Kinoabend es wird mehr geboten!

Diverse Aussteller zeigen ihre Produkte. Ein Wurfpool wird zur Verfügung stehen, an dem etliche Ruten von Orvis und Scottflyrods probegeworfen werden können. Auch für Fliegenfischerpuristen gibt es etwas zu sehen. Philipp Sicher zeigt seine handgefertigten Bambusruten und noch viel mehr gibt es zu entdecken!

Für die Verpflegung gibt es Burritos und Craftbier!
Bei einem Fliegebindewettbewerb kann man sensationelle Preise gewinnen.


Also habt ihr schon was vor am 28.Oktober? Ich glaube jetzt schon! Es lohnt sich wirklich dabei zu sein. Die familiäre Stimmung dieses Events ist einfach einmalig...
Alle Infos und Tickets im Vorverkauf findet ihr unter https://www.firebelly.ch


Montag, 9. Oktober 2017

Mythen und Fakten - Fluorocarbon, Nylon und das Hybrid Tippet


Die "Vorfachspitze" oder im Englischen das "Tippet" genannt, ist für mich ein sehr wichtiger Bestandteil meiner Ausrüstung.
Wichtiger als eine Fliegenrolle, meine Rute oder sogar der Fliegenschnur!
So manch ein Fliegenfischer wird sich über diese Aussage wundern, ist ihm doch die Rute oder die Rolle wichtiger. Das zeigt sich ganz klar, wenn für eine neue Fliegenrute bis zu 1000,- Franken ausgegeben wird, die Spule Vorfachmaterial für 10,- Franken aber zu teuer erscheint...

Ganz schlechtes Tippet gibt es praktisch nicht mehr. Das eine oder andere hat jedoch hier oder da ein Vorteil durch verschiedene Eigenschaften im Gesamtvergleich. Aber auch kleine Unterschiede können am Wasser über Erfolg oder Niederlage entscheiden. Deshalb gehe ich persönliche beim Vorfachmaterial keine Kompromisse ein. Den höheren Preis zahle ich gern, wenn die Qualität stimmt und ich mich auf das Material verlassen kann.
Beim Nymphenfischen ist die Wahl besonders heikel. Da an das Tippet sogar mehrere Anforderungen gestellt werden.
Wir fischen nahe am Grund, also sollte es abriebfest sein. Manchmal sollte es steif sein dann aber auch mal weich und beweglich. Ja nach Strömung des Wassers und Gewicht der Nymphen.
Knoten sollten gut halten und nicht durchrutschen oder sich selbst zerschneiden.
Ich habe schon viele verschiedene Marken getestet und an so manchem Tag am Wasser das Vorfach x-mal neu geknüpft. Probiert, geändert, gewechselt von vorn begonnen, mit Fluorocarbon, mit Nylon diesen und jenen Knoten, Fische gefangen, Fische verloren, geflucht, gestaunt, und dann auch verstanden! Inzwischen weiss ich was ich will....


Seit März habe ich ein neues Vorfachmaterial in Gebrauch und möchte es hier kurz vorstellen.
Das "Hybrid-Tippet" von Sunrayflyfish, ist ein spezielles. Es handelt sich um Fluorocarbon ummanteltes Nylon. Um die Vorteile dieses Materials zu verstehen, muss man die Unterschiede zwischen Fluorocarbon und Nylon kennen. Die für mich wichtigsten Unterschiede sind folgende.

Fluorocarbon: 
Ist steifer, härter und abriebfester als Nylon.
Weniger elastisch als Nylon
Nimmt kein Wasser auf und verliert  im Wasser nicht an Tragkraft.
Knoten müssen sorgfältig geknotet sein, nicht alle Knoten halten gleich gut oder sind für Fluorocarbon geeignet.
Materialeigenschaften sind von Hersteller zu Hersteller sehr unterschiedlich.
Sehr teuer.
UV Strahlung schadet dem Fluorocarbon nicht.

Nylon (Polyamide): 
Ist weicher und beweglicher als Fluorocarbon.
Elastischer als Fluorocarbon.
Nimmt Wasser auf und verliert dabei an Tragkraft.
Nylon hat eine gute Knotenfestigkeit.
Alle üblichen Knoten halten.
Sehr günstig.
UV Strahlung schadet dem Nylon.

Zwei Eigenschaften die dem Fluorocarbon hauptsächlich zugesprochen werden, habe ich bewusst in meiner Aufzählung nicht erwähnt. Das ist zum Einen die Sichtbarkeit und zum Anderen die Sinkfähigkeit.
"Fluorocarbon ist unter Wasser unsichtbar!" Weil es die gleiche optische Dichte (Lichtbrechungsindex) wie das Wasser hat. Unter Labortechnischen Verhältnissen mag das stimmen. Im Internet findet man auch diverse Videos die Nylon neben Fluorocarbon in einem Wasserglas oder einem Aquarium zeigen. Und tatsächlich das Fluorocarbon ist in diesen Bildern fast unsichtbar. Jedenfalls für das menschliche Auge. Am Wasser herrschen aber ganz andere Verhältnisse.
Der Brechnungsindex des Wassers, ist von der Wassertemperatur abhängig und von den gelösten Stoffen im Wasser. Diese optische Dichte von Wasser ist also von Tag zu Tag oder von Stunde zu Stunde, von Gewässer zu Gewässer unterschiedlich. Der Brechnungsindex unserer Spule Fluorocarbon die wir in der Tasche haben ändert sich allerdings nicht.
Zum Vergleich der Lichtbrechnugsindex von reinem Wasser (bei 25 Grad C) liegt etwa bei 1,33. Der von Fluorocarbon bei 1,42 und der von Nylon 1,58. Ob für ein Fisch das Fluorocarbon unsichtbar ist oder nicht, bleibt eine Vermutung.

Die sinkenden Eigenschaften des Fluorocarbons werden ebenfalls oft hervorgehoben. Von der Behauptung, Nymphen sinken mit diesem Vorfach schneller zum Gewässergrund halte ich persönlich nicht viel. Warum?
Fluorocarbon ist nur geringfügig schwere als Nylon so um die 0,64 bis maximal 0,74 g pro Kubikzentimeter.
Auf den Zentimeter Tippet mit 0,10 mm Durchmesser umgerechnet, ist das ein Unterschied von maximal 0.000074 Gramm pro Zentimeter.
Oder auf 1 Meter Tippet von 0,10 mm Durchmesser sind es 0.0074 Gramm Differenz zum Nylon. Dieser winzige Unterschied, bei unseren feinen Vorfächern im Nymphenfischen, lässt eine Nymphe nicht schneller sinken! Im Gesamtbild unter Einfluss aller physikalischen Kräften im strömenden Wasser ist dieser sehr geringe Wert zu vernachlässigen. Er wird durch Druck-, Zug-, oder Strömungskräfte aufgehoben oder überlagert.

Unter diesen Links findet ihr weitere Infos zum Thema "Fluorocarbon vs Nylon":
http://www.flyfishamerica.com/content/fluorocarbon-vs-nylon
http://www.bigindianabass.com/big_indiana_bass/the-truth-about-fluorocarbon.html
https://swiftflyfishing.com/blogs/news/15472069-cutting-through-the-bullshit-the-mono-vs-fluoro-debate
https://activeanglingnz.com/2016/01/04/the-fluorocarbon-myth/
http://stroft.de/index_de.html


Andere Eigenschaften des "Tippets" sind für mich wichtiger. Welche sind das?
Um es vorweg zu nehmen, ich benutze beim Nymphenfischen  Fluorocarbon und Nylon beziehungsweise seit diesem Jahr das Hybrid Tippet.

Fluorocarbon ist steifer als Nylon, daher steht meine Nymphe am Seitenarm viel besser ab und wickelt sich nicht so schnell um die Hauptschnur. Das ist ein Vorteil in stark turbulentem Wasser und beim Fischen mit schweren Nymphen.
Das steife Fluorocarbon lässt aber, leichte und unbeschwerte Nymphen sowie kleine Nassfliegen viel schlechter am Seitenarm spielen, als das weiche und bewegliche Hybrid Tippet. Je nach Situation entscheide ich zwischen steif / hart oder weich / flexible.

An windigen Tagen hat das Fluorocarbon auch einen Vorteil. Im Gegensatz zum Nylon ist das Fluorocarbon Vorfachmaterial nicht so elastisch. Soll heissen, einmal gestreckt kehrt es nicht völlig zu seiner kurzen "Ausgangslänge" zurück. Das ist beim Tightline-Nymphing meist schon nach ein paar Drifts der Fall. Da man ja auch Bodenkontakt hat und ab und zu auch mal ein Hänger. Schon streckt man das Material beim Versuch die Nymphe vom Boden zu lösen. Die Streckung bleibt im Material und ein besserer direkter Kontakt zur Nymphe ist das Resultat. Da das Tippet nun weniger Dehnung hat, spürt man besser was unter Wasser geschieht. Bei etwas Wind ist so das steife, weniger elastische Fluorocarbon etwas im Vorteil.
Aber Achtung! Durch die Streckung des Vorfachs verliert das Fluorocarbon an Tragkraft.
Das Hybrid Tippet liegt irgendwo zwischen Fluorocarbon und Nylon. Es ist recht elastisch, aber auch sehr sensibel, man spürt gut was unter der Wasseroberfläche passiert.

Der direktere Kontakt zur Nymphe ist meiner Meinung auch der Grund, warum die meisten Fliegenfischer bei einer Umstellung auf Fluorocarbon besser fangen. Obwohl sie behaupten der Fangerfolg resultiert aus der "Unsichtbarkeit" des Materials und der "Sinkfähigkeit".
Ich glaube, sie spüren einfach mehr Bisse durch den direkten Kontakt und können so mehr Fische haken.


Fluorocarbon nimmt kein Wasser auf, und verliert nicht an Tragkraft. Genau das passiert aber mit Nylon. Dieses lagert Wassermoleküle in seiner Struktur ein und verliert deshalb an Tragkraft.
Nicht so das Hybrid Tippet. Da der Nylonkern mit Fluorocarbon ummantelt ist, kann auch kein Wasser eindringen, also bleibt die Tragkraft voll erhalten.

Das Hybrid Tippet  hat aber einen wesentlichen und für mich entschiedenen Vorteil gegenüber Fluorocarbon.
Es lässt sich sehr gut Knoten! Was! Das ist alles? Fragst du dich jetzt.
Ja das ist mir sehr wichtig! Warum?
Nun ein Knoten reduziert die Tragkraft eines jeden Vorfachmaterials. Ob Fluorocarbon oder Nylon oder Hybrid Tippet.
Fluorocarbon lässt sich allerdings eher schlecht knoten, da es steif und hart ist.
Das Hybrid Tippet macht extrem schöne Knoten die sehr belastbar sind.
Also kann ich die Vorfächstärke auch mal reduzieren. Ein dünneres Vorfach hat weniger Widerstand im Wasser, es "schneidet" besser durch die Wasserschichten. Ich fische "schneller - tiefer" als mit einem dickerem Tippet. "Schneller - tiefer" heisst, ich kann mehr Wasser effektiv befischen und habe mehr Chancen meine Nymphen richtig zu präsentieren.
Ich war wirklich sehr erstaunt wie gut sich die Knoten beim zusammenziehen setzen. Auch unter der Lupe sah es perfekt aus. Ein gut sitzender Knoten ist wichtig. Viele Fische gehen verloren, weil zu oft schlechte Knoten gebunden werden.
Die Knoten des Hybrid Tippet sahen nicht nur gut aus. Einige kampfstarke Barben haben das Hybrid Tippet dieses Jahr auf die Belastungsprobe gestellt, kein einziger Knoten versagte.


Fluorocarbon ist sehr abriebsfest. Das Hybrid Tippet mit seinem Fluorocarbonmantel ebenfalls, dazu bleibt es auch noch weich und beweglich. Es knickt viel weniger als das Fluorocarbon.
Normales Nylon hingegen zeigt sehr schnell Abnutzungserscheinungen und muss häufiger gewechselt werden.

Das Hybrid Tippet benutze ich inzwischen zu 90 % , ob mit der Nymphe oder mit der Trockenfliege.
Es vereint die Vorteile von Fluocarbon und Nylon. Praktisch das Beste aus zwei Welten.
Die Entwicklungen im Bereich Vorfachmaterial gehen weiter. Verschiedene neue Produkte sind bereits erhältlich oder werden entwickelt. Mit noch besseren Werten in der Tragkraft und Knotenfestigkeit.

Für manche Situationen habe ich, wie gesagt auch Fluocarbon dabei. Hier bin ich inzwischen bei dem Trouthunter Fluorocarbon gelandet. Es ist meiner Meinung nach, eines der Besten oder das beste Fluorocarbon Tippet mit einer ebenfalls guten Knotenfestigket und hoher Tragkraft, auf dem Markt.

Die Entwicklungen im Bereich Vorfachmaterial gehen weiter und verschiedene neue Produkte sind bereits erhältlich oder werden entwickelt. Die Tragkraft und Knotenfestigkeit der Produkte werden stets besser. Es lohnt sich manchmal etwas Neues auszuprobieren...